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Was ist eigentlich Geld?

Im Prinzip ist es ein von der Gesellschaft allgemein anerkanntes Tausch- und Zahlungsmittel. Das Wort an sich kommt aus dem althochdeutschen «Gelt» was heute noch immer in diversen Wörtern wie «Entgelt», «Vergeltung» oder «abgelten» enthalten ist. Es wurde auch für Lohn, Vergütung und Wert genutzt. Doch wie kam es dazu, dass man Geld überhaupt benutzt hat? Immerhin könnte ich ja auch einige Äpfel welche ich nicht benötige gegen einen neuen Stuhl tauschen, welcher mein Nachbar nicht benötigt? Der Tauschhandel war lange Zeit Bestandteil der Wirtschaft und älteste Form des Handels, auch heutzutage wird Tauschhandel bei einigen indigenen Völkern betrieben. Beim Tauschhandel gibt es einige Probleme:


Wertbestimmung: Wie viel Wert hat der Stuhl den ich hergestellt habe? 50 Äpfel, 40 Birnen oder 90 Walnüsse? Jeder erachtet sein eigenes Gut als wertvoll und man versucht, den für sich besten Handel abzuschliessen. Aber kann ich die 50 Äpfel denn auch Konsumieren, bevor diese verderben oder muss ich diese wiederum weiter tauschen, um ein anderes dringend benötigtes Gut zu erhalten?

Werterhaltung: Ich benötige dringend eine neue Kuh um den Eigenbedarf an Milch abzudecken, der Bauer erwartet dafür 400 Äpfel. Ich kann die gewünschte Anzahl nicht in mehreren Monaten ansparen da diese sonst verfaulen, ich muss also meine Gesamte Ernte dem Bauern überlassen. Das Sammeln der verderblichen Güter für den Tausch hängt damit auch vom Zeitpunkt des Tauschhandels ab.

Teilbarkeit: Wenn ich mit Äpfeln handle, kann ich natürlich 1 Apfel gegen 2 Walnüsse tauschen. Habe ich aber keine kleinen Güter, sondern nur ein Pferd zum Tausch, so kann ich dieses nur teilen, wenn ich es zuvor schlachte und einzelne stücke Fleisch anbiete, kann ich es nicht innert nützlicher Frist verkaufen oder verzehren, verdirbt auch das und ich habe erneut einen finanziellen Verlust erlitten.

Das Finden von Angebot und Nachfrage: Wenn ich Äpfel habe und einen Stuhl benötige, wie lange muss ich wohl suchen, bis ich jemanden gefunden habe, der Äpfel haben will und einen Stuhl anzubieten hat?


Die Lösung all dieser Probleme bietet ein indirekter Austausch, folglich ein Gut, welches nicht direkt die Nachfrage des Handelspartners befriedigt, ihn jedoch befähigt dieses Gut in einem anderen Handel für die von ihm benötigte Güter zu tauschen. Es braucht ein Gut, welches einheitlich ist und einen Zeit- Ort- und Produkt unabhängigen Handel ermöglicht. Ein funktionierendes Zahlungsmittel muss folgenden Anforderungen gerecht werden:

Langlebigkeit: Das Gut darf nicht verderben können und nur schwer zu zerstören sein, damit es seinen Wert erhalten kann. Blätter eines Ahornbaumes wären somit weniger gut geeignet als Granitkieselsteine.

Mobilität: Man muss das gut einfach transportieren können und es soll auch kompakt sein damit es gut gelagert werden kann. Hier wären die Ahornblätter den Granitkieselsteinen überlegen.

Austauschbarkeit: Eine Einheit des Zahlungsmittels muss der anderen entsprechen und untereinander austauschbar sein. Da aber jedes Ahornblatt und jeder Granitkieselstein sich in Grösse, Qualität, Gewicht und Form von einem anderen Unterscheidet sind beide Kandidaten in diesem Fall nicht als Zahlungsmittel geeignet.

Teilbarkeit: Ein gutes Zahlungsmittel muss teilbar sein, um auch geringere Güter einfach Handeln zu können. Der Granitkieselstein kann nicht geteilt werden, das Ahornblatt könnte jedoch in 3 oder 5 Teile geschnitten werden da die Blätter je nach Art aus 3 oder 5 Blättchen bestehen. Ein Granitkieselstein kann nicht weiter geteilt werden, bzw. es würde dadurch einfach 2 kleinere Granitkieselsteine entstehen. In diesem Fall wäre das Ahornblatt eher ein teilbares Zahlungsmittel, jedoch mit der Problematik, dass ein 5 Blättriges mehr Wert haben würde als ein 3 Blättriges.

Seltenheit: Ein gutes Zahlungsmittel muss selten sein, damit es nicht zu einer Inflation führt oder einfach gesammelt werden kann, da das Zahlungsmittel somit keinen Wert mehr hat. Ahornblätter, ob mit 3 oder 5 Blättern sind alles andere als Selten. Granitkieselsteine sind schon schwerer zu finden, jedoch je nach Region trotzdem sehr verbreitet. In diesem Fall wären beide Kandidaten als Zahlungsmittel ungeeignet.

Fälschungssicher: Das potenzielle Zahlungsmittel darf nicht einfach zu fälschen sein, da es sonst zu einer unkontrollierten Erhöhung des Zahlungsmittels führt und dieses den Wert Verliert.

Vertrauen: Die Handelspartner müssen das Vertrauen in das Zahlungsmittel haben, dass dieses den Wert behält und auch weiterhin als indirektes Tauschmittel zur Verfügung steht.


Es ging nicht lange, bis ein Gut gefunden wurde, welches den Anforderungen entspricht welches sich langfristig durchsetzen konnte: Edelmetalle wie Gold und Silber. Überprüfen wir nun die Kriterien anhand von Gold oder Silber als indirektes Tauschmittel:


Langlebigkeit: Gold und Silber sind beide sehr langlebig und können nur sehr schwer zerstört werden.

Mobilität: Ein Klumpen Gold- oder Silbererz ist je nach Grösse nicht einfach zu transportieren oder zu verwahren, jedoch kann man das Edelmetall einschmelzen und in kleinere Stücke teilen, damit diese auch in einen Beutel oder eine Schublade passen.

Teilbarkeit: Auch hier ist es nur schwer, einen Teil des Gold- oder Silbererzes abzutragen, jedoch löst man das Problem erneut mit dem einschmelzen des Edelmetalls.

Seltenheit: Beide Minerale kommen nur selten vor und sind auch mühsam abzubauen.

Fälschungssicher: Weder Gold noch Silber kann hergestellt werden, jedoch kann man mit Handwerklichem Geschick aus einem grösseren Klumpen Silber kleine Silberstücke schmelzen, oder die Ränder von einheitlichen Stücken abschleifen und mit dem abgeschliffenen Material ein neues Stück des begehrten Edelmetalls herstellen. Dieses Problem konnte mit einer Prägung gelöst werden, es ist zwar immer noch möglich, geprägtes Silber- oder Goldstück zu fälschen, es ist jedoch mit erheblichem Aufwand und handwerklichem Geschick verbunden.

Vertrauen: Da Edelmetalle seit jeher bei den Menschen begehrt ist, kann das Vertrauen in das indirekte Tauschmittel nur mit einer Art Garantie sichergestellt werden, dass das Tauschmittel immer denselben Inhalt hat und nicht mit anderen Metallen verwässert wird. Das ist jedoch immer eine Glaubensfrage.


Die ersten geprägten Münzen kamen in Asien auf und wurden durch die Griechen in Europa verbreitet. Das Römische Reich etablierte daraufhin etablierte Münzstandards, durch dessen Niedergang hat sich die europäische Geldwirtschaft dezentralisiert und es wurde lange Zeit reger Tauschhandel getrieben. Das dunkle mittelalter heisst nicht umsonst so, denn viele Errungenschaften der Menschheit sind nach dem Fall von Rom verloren gegangen. Es wurden zwar weiterhin die römischen Münzen genutzt, jedoch konnten neue Münzen erst nach und nach geprägt werden. Erst im 13. Jahrhundert war die Technologie wieder auf dem Stand, welche Rom vor dem Niedergang hatte. Erst Karl der Grosse konnte einen zentralen Währungsstandard wieder herstellen und hat einen Silberstandard definiert, welcher die Menge an Silber pro Geldstück vereinheitlichte.


Nun gab es im laufe der Zeit immer mehr Menschen, welche einerseits ihr Geld verwahren wollten und andererseits schnell und einfach verfügbar haben wollten. Man gab einer allseits bekannten vertrauenswürdigen Person oder Unternehmung sein Geld und erhielt dafür eine Quittung, mit diesem Papier oder Pergament hatte man das Anrecht, auf die Summe welche deponiert wurde. Nun konnte man, sobald man etwas erwerben wollte, die Quittung einreichen, sein Vermögen zurückerhalten und damit das gewünschte Gut kaufen. Der Verkäufer wiederum konnte das Geld anschliessend ebenfalls verwahren und erhielt dafür die Quittung. So kam es, dass mit der Zeit auch solche beglaubigten Quittungen als Zahlungsmittel akzeptiert wurden und die Grundfeste des Papiergeldes waren geschaffen. Das Vertrauen in Papiergeld beruhte ursprünglich darauf, dass es von jedem zu jeder Zeit in Münzgeld umgetauscht werden konnte. Dieses Vertrauen musste durch ausreichende Bestände an Münzgeld in den Schatzkammern des Herausgebers begründet werden. Außerdem wurde der Umtausch in Münzgeld auf dem Papiergeld meist in Textform zugesichert. Als historisches Überbleibsel sind solche Zusicherungen heute noch auf den Geldnoten verschiedenster Länder zu sehen.

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